Inhalt

Erster und zweiter Teil

Manon lebt in glücklicher Ehe mit dem Grafen Moreau. Beiden wollen eine Winterreise antreten. Kurz vor der Abfahrt wird Moreau durch dringende Geschäfte in Paris zurückgehalten, und Manon reist allein voraus. Während der Zug in den Winterabend fährt, wird Manon von bösen Ahnungen befallen, daß daheim ihrem Mann oder ihrem Töchterchen ein Unheil drohe. Eine unerklärliche Angst zwingt ihr den Entschluß ab, den Zug zu verlassen und nach Paris zurückzukehren.
Der Detektiv Henry Beaufort ist im Coupé Zeuge des nervösen Zustandes der eleganten, schönen Frau. Teils von Neugierde, teils von Interesse getrieben, folgt er ihr, macht sich im Warteraum mit ihr bekannt und begleitet sie, kurz entschlossen nach Paris zurück.
Moreaus Diener Jean hat am selben Abend im Palais mit Musette, der Geliebten des Ringkämpfers Ombrade, ein Schäferstündchen auf seiner Stube. Ombrade dringt in das Palais ein, überrascht die beiden und verfolgt den durch das Haus fliehenden Jean. Dabei tritt ihm in seinem Arbeitszimmer Moreau in den Weg, den er niederschlägt. – Auf einem der Dächer holt er Jean ein und wirft ihn über den Dachrand in die Seine.
Unterdessen hat sich der Graf von seiner Ohnmacht ein wenig erholt. Noch halb benommen, hört er nahende Schritte, er ergreift einen Dolch, bereit, sich auf den Eintretenden zu stürzen.
Als Manon in Begleitung Beauforts von der Bahn heimkommt, findet sie an der Schwelle des Arbeitszimmers ihren Mann auf dem Boden – ermordet.
Während die Mordkommission im Hause amtiert, sieht Manon, die glühende Stirn an die kalte Scheibe eines Fensters gepreßt, unten einen Herrn in Pelz und Zylinder, der bewegungslos emporstarrt. Sie schreit, wie von einer plötzlichen Eingebung gepackt, auf: «Der Mann da unten ist der Mörder meines Mannes.»
Auf Veranlassung Beauforts läßt ihn der Mordkommissar unter einem Vorwand zur Polizeistation bringen und stellt dort sofort mit ihm ein Verhör an. Es ist André Rabatin, ein Bekannter Moreaus. Verdachtsmomente entstehen, zerflattern aber. Rabatin wird nach einigen Tagen entlassen, die Untersuchung gegen ihn eingestellt.
Nur Manon beharrt bei ihrem Verdacht. Beaufort will ihr beistehen, erklärt aber, daß eine Entlarvung des kaltblütig verschlossenen Rabatin, falls er wirklich der Mörder sein sollte, nur auf dem Wege der List möglich sei. Manon müsse versuchen, Rabatins Leidenschaft zu entflammen, ihn an sich zu ketten, um ihm das Geständnis zu entreißen.
Nach schwerem inneren Kampf entschließt sich Manon, um den Mord an ihrem geliebten Mann zu rächen, die große Komödie mit Rabatin zu wagen.
Im Hause der Madame Rocquère, wo Halbwelt und Spielerkreise verkehren, nähert sie sich Rabatin, und zwar als angebliche Nichte des reichen Amerikaners Mr. Hopkins. Als solcher hat sich Beaufort bei der Rocquère Zutritt verschafft.
Unter den Gästen dieses Abends befindet sich auch Musette, die von Ombrade fort ist, um von ihrer Freundin Yvonne in die hohe Schule der Kokotten eingeführt zu werden.
Ombrade kann ohne Musette nicht leben. Er verschafft sich gleichfalls Zutritt in das Haus der Rocquère, wird aber dort von einem Kriminalbeamten als ein gesuchter Einbrecher erkannt und von der heimlich herbeigerufenen Polizei gestellt.
Rabatin hat schnell begriffen, daß er in Manon keine Halbweltdame vor sich hat. Ein brennendes Interesse für die schöne Frau ist in ihm erwacht. Er rettet sie aus der heiklen Situation, die durch das Eindringen der Polizei entstanden ist, auf ritterliche Weise. Ombrade entkommt, Musette wird verhaftet.
Zweifel beschleichen nun Manon, ob Rabatin ein Mörder sein könne. Nach einigen Zusammenkünften mit ihm erklärt sie Beaufort, von Gewissensbissen geplagt, daß sie vielleicht einen Unschuldigen verdächtigt habe, und weigert sich, weiter vor Rabatin Komödie zu spielen.
Ombrade wird vergebens gesucht. Jedoch Musette, die man festhält, verrät endlich sein Versteck. Er wird verhaftet, mit Musette konfrontiert, der er für den Verrat mit dem Tode droht. Da gibt Musette ihn als den Mörder Moreaus an, um ihn endgültig los zu werden.
Nun bereut Manon vollends aufs Tiefste ihr Unrecht gegenüber Rabatin. Sie empfängt ihn im Hotel, in dem sie als Nichte des Mr. Hopkins wohnt, will ihm alles sagen, ihn um Verzeihung bitten. Er kommt und gesteht ihr seine Liebe, zugleich aber auch, daß ein schweres Geschick auf seinem Leben laste: er sein der Mörder des Grafen Moreau, allerdings nur ein Mörder aus Notwehr.
Bevor Manon noch zur Besinnung über das Gehörte kommt, dringt die Kriminalpolizei bei ihr ein und verhaftet Rabatin, und auch Manon, unter dem Verdacht der Mitwisserschaft und des Einverständnisses mit dem Mörder.
Ombrade hat seine Schuld am Tode des Dieners Jean eingestanden und belastet durch ein Indizium Rabatin als den Mörder der Grafen.
In der Hauptverhandlung legt Rabatin, um Manon zu schützen, ein Geständnis ab. Die Geschworenen schenken seinen Angaben, aus Notwehr gehandelt zu haben, Glauben. Er wird mit einer Stimme Mehrheit, Manon einstimmig freigesprochen. Ombrade wird zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Dritter und vierter Teil

Gegen den Freispruch Rabatins und Manons hat der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Bei der neuerlichen Verhandlung wird Rabatin jedoch mit einer Stimme Mehrheit schuldig befunden und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
Manon bleibt in der Öffentlichkeit gebrandmarkt und verdächtigt. Die alte Gräfin Moreau, die Mutter des Ermordeten, bei der sich Kitty, die Tochter Manons, befindet, zwingt nun Manon, ihr die Erziehung des Kindes zu überlassen. Gebrochen, vereinsamt, entehrt verläßt Manon Paris.
Zehn Jahre später …
Ombrade und Rabatin haben sich in der Strafkolonie angefreundet. Ombrade, der seine Strafe bald verbüßt hat, verhilft Rabatin zur Flucht. Sie gelingt, und Rabatin schlägt sich nach Paris durch.
Manon ist in Rumänien auf dem Gutshof eines verwitweten Großgrundbesitzers, dessen Kinder sie als französische Gouvernante erzieht. Es ist Weihnachten. Übermächtig wird in Manon die Sehnsucht nach ihrem eigenen Kinde, das sie seit 10 Jahren nicht sehen durfte, für das sie tot sein muß.
Ein Liebesgeständnis des Gutsbesitzers unterm Weihnachtsbaum zeigt Manon, daß sie nicht länger in diesem Hause leben kann, und noch in derselben Nacht tritt sie die Heimreise nach Paris an.
Musette hat in den 10 Jahren Karriere gemacht. Sie ist eine Lebedame, das kostspielige Verhältnis von Kavalieren geworden. Sie trifft auf den ganz heruntergekommenen, halb verhungerten Rabatin, erkennt ihn, hilft ihm und wird von leidenschaftlicher Liebe zu ihm erfaßt.
Der erste Weg Manons in Paris führt sie in das Haus der alten Gräfin Moreau. Die stolze Gräfin aber weist sie zurück, als Manon ihre Tochter Kitty haben will. Kitty glaubt ihre Mutter tot. Soll sie jetzt, wo sie eben in die Gesellschaft eingeführt wird, die Schande ihrer Mutter erfahren? Will Manon das Glück des Kindes gefährden, seine sonnige Jugend durch die Schatten ihrer Vergangenheit trüben? Manon sieht Kitty und gibt sich ihr nicht zu erkennen.
Aber auf Umwegen nähert sie sich als angebliche Verwandte des alten Dieners ihrer Tochter, und Kitty gewinnt die einfache Frau von Herzen lieb wie eine mütterliche Freundin.
Um den Melancholischen Rabatin zu zerstreuen, hat Musette ihn veranlaßt, sie auf einen der großen Pariser Bälle zu begleiten. Dort sieht er ein Mädchen, das ihn unbestimmt an vergangene Tage erinnert. Es ist Kitty, die auf ihrem ersten Ball ist. Er läßt sich ihr vorstellen. Der elegante Mann macht Eindruck auf Kittys junges Herz, aber das zarte Gespräch beider nimmt ein unerwartetes Ende, als sie ihm ihre Großmutter zeigt, die ihre Begleiterin auf dem Ball ist. Entsetzt erkennt Rabatin die alte Gräfin Moreau. Nun weiß er, wer Kitty ist! Das Kind seiner geliebten Manon. Aufs Tiefste aufgewühlt, verläßt Rabatin den Ball … gefolgt von Musette. Von Musettes leidenschaftlichen Annäherungsversuchen angeekelt, steigt er aus dem Wagen und überläßt sie ihrem Liebesschmerz. Nun fühlt auch sie die furchtbare tödliche Leidenschaft, an der Ombrade ihrethalben zugrunde gegangen ist.
Ombrade aber ist wieder in Paris und hat nur einen Gedanken, sich an Musette zu rächen, sie zu töten. In derselben Nacht dringt er bei ihr ein. Als er jedoch die von Liebesqualen Gepeinigte in Tränen aufgelöst findet, wird er weich und ihr wieder untertan, wie einst.
Rabatins Erkundungen nach Manon haben ergeben, daß sie – was aller Welt durch die Gräfin kurz nach dem Prozeß vorgespiegelt wurde – gestorben und in der Familiengruft der Moreaus bestattet sei. Er geht, das Grab zu besuchen. Auch Kitty, das Geheimnis der ersten Liebe im Herzen, drängt es zu dem vermeintlichen Grab der Mutter. Sie hat sich wieder mit Manon getroffen und bittet die Freundin, sie zu begleiten.
Rabatin nähert sich der Gruft, erkennt die dort betende Kitty, erkennt aber auch Manon, die bei seinem Anblick ohnmächtig zusammenstürzt. Da fühlt Kitty, daß die beiden einander kennen, einander lieben und das Rabatin für sie verloren ist. Zu ihrem Entsetzend erkennt Manon Kittys Eifersucht, sieht, daß ihre Tochter sie haßt und nichts mehr von ihr wissen will …
Manon eilt in Rabatins Wohnung, ihn anzuflehen, nicht das Leben ihres Kindes zu vernichten wie das ihre. Er beruhigt sie, innerlich entschlossen, seinem Leben ein Ende zu machen.
Da dringt Ombrade in die Wohnung ein, von Musette zu sinnloser Eifersucht und Wut gegen Rabatin aufgestachelt. Er weiß jetzt, daß Rabatin ihn, den Freund, der ihn aus der Strafkolonie gerettet, hintergangen und betrogen hat. Er glaubt auch jetzt Musette im Nebenzimmer. Ein Ringen entsteht, der Revolver geht los und Rabatin sinkt zu Tode getroffen zusammen.
Der Verdacht, Rabatin getötet zu haben, fällt auf Gräfin Manon, und erst im Laufe der Untersuchung kommt der wahre Sachverhalt ans Licht und Kitty erfährt die volle Wahrheit.
Am Sterbelager Rabatins finden sich Mutter und Kind.

 

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Tragödie der Liebe

Deutschland 1923

 

 

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